Integrale Planung der Gebäudetechnik – Effizienz senkt Baukosten

von Christian Bähr

 

Die Anforderungen, die heute an Gebäudeplaner, Bauherren und Architekten gestellt werden, werden in zunehmendem Maße komplexer. Deswegen gilt es, ein Maximum an Effizienz und ein sinnvolles Zusammenspiel aller baulichen Komponenten zu erreichen. Die Voraussetzung hierfür ist eine integrale Planung, bei der das zu errichtende Gebäude das Ergebnis ineinandergreifender Prozesse ist. Um dies zu verwirklichen, ist ein Umdenken notwendig, bei dem die Planung, der Bau und der spätere Betrieb eines Gebäudes neu betrachtet werden müssen. Gebäude, die modernen Ansprüchen genügen, sind das Ergebnis interdisziplinärer Zusammenarbeit von Bauherren, Architekten, Ingenieuren und technischen Gebäudeausstattern.

Gebäude als Gesamtsystem verstehen und planen

Beim Bau oder bei der Sanierung sind verschiedene Gewerke beteiligt. Sie alle verwenden eine eigene Sprache, folgen eigenen Vorgaben und verfolgen konkrete Ziele. Doch um ein wirklich funktionierendes Gebäude zu schaffen, ist eine integrale Planung des Gebäudes notwendig, bei der alle Sprachen, Vorgaben und Ziele zu einem gemeinsamen Konzept vereinigt werden und das fertige Gebäude als Gesamtsystem verstanden wird. Wird dies nicht beachtet, kann es zu kontraproduktiven Wechselwirkungen kommen, die die finale Effizienz eines Gebäudes reduzieren. Sinn der integralen Planung ist es also, die Gesamteffizienz eines Gebäudes zu erhöhen. Bauherren können in der integralen Planung Vorstellungen und Anforderungen an den Bau gewerkeübergreifend definieren. Anschließende Planungsprozesse werden verkürzt und vereinfacht, da sie konkret und zielorientiert stattfinden. Transparenz und Struktur bilden wichtige Voraussetzungen für die sinnvolle Planung. Kommt es in der Bauphase zu Abweichungen von qualitativen oder quantitativen Vorgaben, können diese leicht erkannt und behoben werden. Als Folge der verbesserten Strukturierung können die Kosten für die integrale Planung und den Bau an sich gesenkt werden und die Qualität der Planung steigt. Durch die ineinandergreifende Planung werden Potenziale zur Effizienzsteigerung und Synergien erkannt und genutzt. Es entsteht ein Gebäude, bei dem die Gebäudetechnik optimal in die bauliche Substanz integriert wird.

Wechselwirkungen von baulichen Maßnahmen berücksichtigen

Die integrale Planung von Gebäuden zielt auf kompakte Gebäude, die verschiedenen Ansprüchen folgen. Für ein optimal errichtetes Gebäude gibt es verschiedene Faktoren, die berücksichtigt werden sollten:

  • die Möglichkeit der Tageslichtnutzung
  • die Ausrichtung der Fassade
  • der Glasanteil der Fassade
  • die Luftdichtheit
  • der Schallschutz
  • Wärmedämmung
  • Materialwahl
  • die technischen Anlagen
  • die Gebäudesicherheit
  • die Integration des Gebäudes in das Bauumfeld

 

Die genannten Punkte beeinflussen sich zum Teil gegenseitig und definieren, welche Maßnahmen von den einzelnen Gewerken später noch getroffen werden müssen, um die Gebäudetechnik zu optimieren. So hat beispielsweise die Gestaltung und Ausrichtung der Fassade Auswirkungen auf die später zu treffenden Maßnahmen für Wärme- und Kältebedarf im Gebäude. Andersherum stellen bestimmte Lüftungskonzepte Ansprüche an die Fassade. Auch die Integration von Kabelschächten, Akustikelementen und Brandschutzvorrichtungen verlangt die enge Zusammenarbeit von Architekten, Ingenieuren und Gebäudetechnikern.

Kooperation und Kommunikation sind Säulen der Gebäudeplanung

Die integrale Planung von Gebäuden bedient sich verschiedener Techniken. Dabei steht vor allem die Kooperation aller beteiligten Verantwortlichen im Mittelpunkt der Planung. Gemeinsam werden Standards, Anforderungen und Bewertungsmaßstäbe entwickelt, definiert und dokumentiert. Diese sind gewerkeübergreifend anzuwenden. Im Zuge eines laufenden Controllings, bei dem Soll- und Ist-Zustand miteinander verglichen werden, wird die Einhaltung der Standards dauernd überprüft. Auch technische Komponenten sind wesentlicher Teil der integralen Gebäudeplanung. Diese werden ebenfalls interdisziplinär festgelegt, die einzelnen Gewerke sollten sich diesen Vorgaben unterordnen. Wärmeversorgung, Raumheizung, sanitäre Einrichtungen, Grundwassernutzung, Stromversorgung und MSR-Technik sind nur einige der Komponenten, die bei dieser Planung berücksichtigt werden müssen. Damit die integrale Planung funktionieren kann, müssen alle Verantwortlichen kooperationsbereit sein und intensiv miteinander kommunizieren. Durch die festgelegten Standards ist eine einfache Verständigung der verschiedenen Gewerke möglich. Voraussetzung ist vor allem, dass die Verantwortlichen bereit und in der Lage sind, interdisziplinär zu denken und zu arbeiten. Ist dies gegeben, kann die integrale Planung wesentlich dazu beitragen, die Planungsprozesse zu verkürzen, die Kosten zu senken sowie die Effizienz der Planung zu steigern.

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