Trinkwasserhygiene sichern durch Zirkulationssysteme

von Christian Bähr

Trinkwasserhygiene sicherstellen durch Warmwasserzirkulation

Die Trinkwasserhygiene spielt eine zentrale Rolle bei der Installation von Wasserleitungen in Gebäuden. Das Ziel muss es sein, die gesundheitliche Gefährdung durch den Verbrauch von Trinkwasser so gering wie möglich zu halten. Doch nicht nur bei Neubauten müssen die Regelungen der Trinkwasserverordnung eingehalten werden. Zum Schutz vor Verunreinigungen, Krankheitserregern und einer Massenvermehrung koloniebildender Einheiten gelten verschiedene Vorschriften über die Beschaffenheit aller wasserberührender Bauteile insbesondere von Trinkwasserleitungen und Warmwasserzirkulationspumpen. Die Neuerung der Trinkwasserverordnung im Jahr 2011 hat vor allem den Schutz vor Legionellen zum Kernanliegen gemacht. Bei Bestandsimmobilien führen die Neuregelungen teilweise zu einem hohen Sanierungsbedarf, um den hygienischen Anforderungen auch weiterhin gerecht werden zu können.

Zirkulation und hohe Temperaturen sichern die Wasserqualität

Um die Trinkwasserhygiene zu gewährleisten, sind verschiedene Parameter relevant, die vor allem die Temperatur des Wassers und die Wasserbewegung betreffen. Mithilfe von Warmwasserzirkulationspumpen wird das Trinkwarmwasser im Wasserkreislauf eines Gebäudes permanent in Bewegung gehalten. Da sich Keime bevorzugt in stehendem Wasser vermehren, wird diesem Problem durch den ständigen Wasseraustausch entgegengewirkt. Nicht nur aus hygienischen Gründen ist dabei ein hydraulischer Abgleich des Warmwasserzirkulationssystems sinnvoll. Das Wasser folgt im Trinkwasserkreislauf innerhalb eines Hauses den Wegen, die es am leichtesten passieren kann. Ohne hydraulischen Abgleich kann es vorkommen, dass eine ausreichende Warmwassertemperatur in den oberen Etagen erst nach deutlich längerer Zeit zur Verfügung steht als im Erdgeschoss. Durch den Abgleich der Warmwasserzirkulation wird auch im Rücklauf die gewünschte Temperatur aufrechterhalten, sodass auch entfernte Verbraucher mit heißem Wasser versorgt werden. Der hydraulische Abgleich erhöht also den Komfort der Warmwasserversorgung in Mehrfamilienhäusern. Notwendig ist der hydraulische Abgleich jedoch nur im Betrieb von Großanlagen. Genauso kann auf den Einsatz von Warmwasserzirkulationspumpen verzichtet werden, wenn die Rohrleitungen weniger als drei Liter Volumen aufweisen.

Unterscheidung zwischen Klein- und Großanlagen

Der Gesetzgeber unterscheidet zwischen Groß- und Kleinanlagen zur Trinkwassergewinnung. Kleinanlagen befinden sich in Häusern, die über maximal zwei Wohneinheiten verfügen. Existieren zwei Wohneinheiten, muss eine davon vom Eigentümer bewohnt sein. Doch auch in einem Einfamilienhaus kann die Trinkwasseranlage als Großanlage klassifiziert werden. Eine Großanlage liegt vor, wenn der Inhalt des Warmwasserbereiters 400 Liter übersteigt oder die Leitung zwischen dem Warmwasserbereiter und der Entnahmestelle ein höheres Volumen als drei Liter aufweist. Mit durchdachten Leitungsstrukturen können jedoch auch Gebäude mit mehreren Wohneinheiten als Kleinanlage betrieben werden. Der wichtigste Unterschied im praktischen Betrieb von Groß- und Kleinanlagen liegt in der geforderten Betriebstemperatur. Das Warmwassernetz in einer Großanlage muss mit mindestens 60 Grad Celsius betrieben werden und die Wiedereintrittstemperatur am Ende der Zirkulationsleitung darf höchstens fünf Kelvin darunterliegen. Für den Betrieb einer Kleinanlage sind 50 Grad ausreichend. Aufgrund der Gefahr eines Legionellenbefalls wird jedoch auch für Kleinanlagen der Betrieb mit 60 Grad Celsius empfohlen. In Kleinanlagen, die mit Temperaturen unter 60 Grad arbeiten, erhitzen moderne Heizungssteuerungen das Warmwasser in regelmäßigen Abständen auf über 60 Grad, um einen Legionellenbefall zu vermeiden.

Wirtschaftliche Vorteile einer modernen Anlage

Neben dem erhöhten Komfort und den verminderten Gesundheitsrisiken ist der Betrieb einer Trinkwasseranlage mit Wärmezirkulationspumpe nach neuestem Stand auch aus wirtschaftlichen Gründen attraktiv. Bei der Sanierung von Trinkwasserleitungen im Bestand empfehlen sich Ringleitungen, die eine ständige Wasserbewegung sicherstellen. Eine sinnvoll agierende Trinkwasserversorgung innerhalb eines Hauses verfügt über eine gute Isolierung, sodass die Warmwasserleitungen kaum in der Lage sind, die Kaltwasserstränge zu erwärmen. Werden Wärmeverluste in der Warmwasserleitung verringert, reduziert das die Energiekosten, die zur Wassererwärmung notwendig sind.

Regelmäßige Kontrollen zur Feststellung der Wasserqualität

Um die Trinkwasserhygiene sicherzustellen, müssen gewerbliche Betreiber von Großanlagen zur Warmwasserversorgung sich künftig strengeren Kontrollen unterziehen. Die Trinkwasserverordnung schreibt vor, dass sich Betreiber von Großanlagen zur Trinkwassererwärmung jährlichen Kontrollen unterziehen müssen, wenn das Trinkwasser zu gewerblichen Zwecken oder im Rahmen einer öffentlichen Tätigkeit abgegeben wird. Gleiches gilt, wenn es zu einer Trinkwasservernebelung kommt, beispielsweise in Duschen. Öffentliche Betreiber von Trinkwassererwärmungsanlagen sind Schulen, Hotels, Pflegeheime, Krankenhäuser und ähnliche Einrichtungen. Einmal jährlich müssen die Betreiber solcher Einrichtungen an mehreren repräsentativen Stellen Proben entnehmen lassen und in einem akkreditierten Prüflabor testen lassen. Seit 2011 wurde die Pflicht zur Probenentnahme auf weitere Gewerbegruppen ausgeweitet, etwa Hausverwaltungen und Wohnungsbaugesellschaften. Für sie liegt das Untersuchungsintervall bei drei Jahren.

Sanierung effizient planen

Der praktische Nutzen von Warmwasserzirkulationssystemen auch in Bestandsimmobilien ist unumstritten. Eine entsprechende Sanierung ist nicht nur in Hinblick auf die Trinkwasserhygiene sinnvoll, sondern auch für den wirtschaftlichen Betrieb von Anlagen zur Trinkwassererwärmung. Eine professionelle Dimensionierung und Planung der Sanierungsmaßnahmen gewährleistet den sicheren und nachhaltigen Bestand des Systems. Aufgrund der Komplexität des Themas sollte die Sanierung des Warmwasserzirkulationssystems immer in enger Zusammenarbeit mit erfahrenen Ingenieuren erfolgen.

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