Verbesserung der Trinkwasserhygiene in Kaltwasseranlagen

von Christian Bähr

Trinkwasserhygiene in Kaltwasseranlagen

Trinkwasserhygiene in Kaltwasseranlagen – Keimentwicklung vermeiden

 

Die richtige Trinkwassertemperatur ist wesentlich für die Qualität des entnommenen Wassers. Legionellen gehören zu den bekanntesten Bakterien, die die Trinkwasserqualität negativ beeinflussen und Krankheiten verursachen. Sie gedeihen bei Temperaturen zwischen 25 und 50° C. Zunehmend problematisch wird daher die Trinkwasserhygiene in Kaltwasseranlagen, denn die Wassertemperatur steigt seit einigen Jahren an, sodass sich ein idealer Lebensraum für Legionellen entwickelt.

Ursachen für steigende Kaltwassertemperaturen

Die Trinkwasserverordnung sieht vor, dass Kaltwasser an der Entnahmestelle maximal 25° C aufweisen darf. Eine neuere Richtlinie (VDI/DVGW-Richtlinie 6023 Blatt 1) empfiehlt sogar eine noch niedrigere Maximaltemperatur von 20° C, um die Trinkwasserhygiene sicherzustellen. Doch selbst 25° C erweisen sich oft als schwierig. Eine allgemeine Ursache ist, dass bereits die Einspeisetemperatur vom Versorger gestiegen ist. Die Gründe hierfür liegen in der Regel in Unterbrechungen des bestimmungsgemäßen Betriebs oder in einem unzureichenden Wasseraustausch sowie zu hohen Wärmelasten entlang der Trinkwasserrohrleitungen. Auch der Klimawandel spielt eine Rolle. Die Oberflächentemperatur von Talsperren und Seen nimmt zu, die Durchmischung von kaltem und warmem Wasser verringert sich. Sinken die Wasserspiegel, steigen die Temperaturen in der Tiefe. Steigende Bodentemperaturen erhitzen das Wasser in unterirdischen Verteilleitungen.

Lösungsansätze, um die Trinkwasserhygiene zu verbessern

Um die Trinkwasserhygiene in Kaltwasseranlagen zu gewährleisten, empfiehlt sich die Installation von Trinkwasserverteilungen oder Hausanschlüssen in geschlossenen Räumen, die keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, vorzugsweise im Keller. Laut VDI-Richtlinie 2050 darf die Raumtemperatur in Räumen, die zur Unterbringung von Trinkwasserverteilungen genutzt werden, nicht über 25° C liegen. Zudem sollten Kaltwasserleitungen auf die gleiche Weise isoliert werden wie Warmwasserleitungen. Ideal ist es, Kalt- und Warmwasserleitungen in separaten Schächten zu verlegen.

 

Maßnahmen, um die Trinkwassertemperatur zu senken

Problematisch wird die Trinkwasserhygiene, wenn das Wasser lange in der Leitung steht. Selbst bei einer optimalen Einspeisetemperatur kann es schon nach wenigen Stunden zu einer Keimentwicklung kommen, wenn die Leitung nicht rechtzeitig freigespült wird. Eine Lösung kann eine Freispül-Automatik bilden, die stehendes Wasser frühzeitig ableitet. Solche Systeme lassen sich leicht nachrüsten, ohne dass aufwändige Installationen oder Umbaumaßnahmen notwendig sind. Eine Alternative ist die aktive Kühlung durch eine Zirkulation. Das rücklaufende Trinkwasser wird gekühlt und sorgt für einen Temperaturrückgang in den Leitungen. Die Installation erfordert oft keine großen Umbaumaßnahmen, denn eine entsprechende Kühlvorrichtung ist in vielen Gebäuden mit installierten Klimaanlagen ohnehin bereits gegeben.

Kaltwassersysteme sinnvoll planen, Trinkwasserhygiene verbessern

Die Trinkwasserhygiene in Kaltwassersystemen wird in den nächsten Jahren immer relevanter. Daher ist es wichtig, bei Neubauprojekten sinnvolle Installationen einzuplanen, damit eine Keimbelastung im Trinkwasser durch zu hohe Temperaturen vermieden wird. Wir als Ingenieure unterstützen Sie gerne bei der Planung Ihrer Trinkwasseranlagen und berücksichtigen dabei stets die Vorgaben der Trinkwasserverordnung. Auch bei der Nachrüstung in Bestandsgebäuden stehen wir Ihnen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite und beraten Sie hinsichtlich Ihrer Möglichkeiten.

 

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