Wohngebäudelüftung: Mehr Wohnkomfort und Feuchteschutz

von Christian Bähr

 

Früher waren Fenster oft undicht und zugig und Fassaden luftdurchlässig. Für die Energiebilanz beim Heizen war dies zwar nicht optimal, aber für die Belüftung des Hauses umso besser. In allen Räumen war ausreichend frische Luft vorhanden und auftretende Feuchtigkeit wurde durch den ständigen Luftaustausch von alleine nach draußen transportiert. Heute werden Bauten dahingehend optimiert, möglichst luftundurchlässige Gebäudehüllen zu besitzen. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) und einige Normen fordern eine dichte Gebäudehülle, um den Energieverbrauch niedrig zu halten. Dies steht jedoch im Konflikt mit einem notwendigen und ebenfalls vorgegebenen Mindestluftwechsel. Lange war unklar, ob dieser Mindestluftwechsel durch den Nutzer oder eine Lüftungsanlage erfolgen muss. Mit einer Neuerung der DIN 1946-6 wurden die Vorgaben konkretisiert. Auch Lüftungskonzepte sind seitdem vorgeschrieben.

Ausreichender Luftaustausch schützt das Gebäude und seine Bewohner

Der ausreichende Luftwechsel in Wohnräumen ist unerlässlich. Werden Räume bewohnt oder regelmäßig zum Arbeiten genutzt, muss die Luftqualität stimmen. Bei unzureichender Belüftung und daraus resultierender schlechter Luft sind Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen die Folge. Die Belüftung dient also unter anderem dem Komfort. Darüber hinaus bedeutet eine mangelhafte Belüftung aber auch, dass Feuchtigkeit nicht entweichen kann. In Schlafräumen oder in Küche und Bad, wo es durch die übliche Nutzung zu einer erhöhten Luftfeuchtigkeit kommt, bilden sich oft Kondensate an kalten Gebäudeteilen wie Fenstern oder Wänden, hier speziell in Ecken. Die Gefahr der Schimmelbildung steigt. Dies ist nicht nur ein hygienisches Problem. Im Verkauf sprechen feuchte Wände und Schimmel für eine schlechte Bausubstanz, wodurch der Wert eines Gebäudes signifikant sinkt. Für den Werterhalt einer Immobilie ist eine sinnvolle Lüftung daher unerlässlich.

Vorgeschriebene Lüftungsstufen, die erfüllt werden müssen

Ab einer festgelegten Dichtheit der Gebäudehülle ist die durch Infiltration in das Gebäude eindringende Luftmenge geringer als für den Feuchteschutz also den Schutz des Bauwerks erforderlich. Der Einbau und Betrieb einer Lüftungsanlage sorgt dann unter Berücksichtigung der Anforderungen an den Schallschutz und die Energieeffizienz für den notwendigen Luftaustausch. Diese bewirkt ggf. auch in Kombination mit manuellem Lüften durch den Nutzer einen ausreichenden Abtransport von Feuchtigkeit. Nach DIN 1946-6 wird für Gebäude ein Lüftungskonzept benötigt. In dem Lüftungskonzept werden vier Lüftungsstufen vorhanden sein, die einen ausreichenden Luftwechsel gewährleisten:

1. Lüftungsstufe
Lüftung zum Feuchteschutz: Notwendige Lüftung zur Sicherstellung des Bautenschutzes (Feuchte) unter üblichen Nutzungsbedingungen bei teilweise reduzierten Feuchtelasten, z.B. zeitweilige Abwesenheit der Nutzer und kein Wäschetrocknen in der Nutzungseinheit. Muss vollständig nutzerunabhängig funktionieren.

2. Lüftungsstufe
Reduzierte Lüftung: Notwendige Lüftung zur Sicherstellung der hygienischen Mindestanforderungen sowie des Bautenschutzes (Feuchte) unter üblichen Nutzungsbedingungen bei teilweise reduzierten Feuchte- und Stofflasten, z.B. infolge zeitweiliger Abwesenheit von Nutzern.

3. Lüftungsstufe
Nennlüftung: Notwendige Lüftung zur Sicherstellung der hygienischen Anforderungen sowie des Bautenschutzes bei Anwesenheit der Nutzer (Normalbetrieb).

4. Lüftungsstufe
Intensivlüftung: Zeitweilig notwendige Lüftung mit erhöhtem Luftvolumenstrom zum Abbau von Lastspitzen (Lastbetrieb). Kann auch durch Fensterlüften realisiert werden.

Lüftungskonzept: Pflicht in Neubauten oder nach umfassenden Modernisierungen

Der Nutzer darf nach aktueller Rechtsprechung nur noch in sehr eingeschränktem Umfang zur manuellen Lüftung herangezogen werden. Mehrmaliges tägliches Lüften gilt als unzumutbar. Daher muss die Wohnungslüftung maßgeblich nutzerunabhängig erfolgen. Um dies zu gewährleisten, fordert die DIN 1946-6 ein Lüftungskonzept für Neubauten und für Bestandsbauten nach umfassenden Modernisierungen. Dabei muss jede Nutzungseinheit ein separates Konzept haben. Werden im Ein- oder Mehrfamilienhaus mehr als ein Drittel aller Fenster ausgetauscht, muss auch bei Renovierungen ein Lüftungskonzept erstellt werden. Im Einfamilienhaus ist ein Lüftungskonzept nach der DIN 1946-6 Pflicht, wenn mehr als ein Drittel der Dachfläche neu abgedichtet wird. Erstellt werden kann es von jedem Fachmann, der mit der Instandhaltung von lüftungstechnischen Anlagen vertraut ist oder mit Planung oder Modernisierung von Gebäuden, beispielsweise durch ein Ingenieurbüro für TGA. Es muss vom Planer vorab festgelegt werden, wie der Luftaustausch realisiert werden kann, um Bautenschutz und Hygienevorschriften gerecht zu werden. Üblich ist es, im Rahmen der technischen Gebäudeausstattung eine Lüftungsanlage zu installieren, die den Mindestluftwechsel sicherstellt. Damit ist gewährleistet, dass sowohl das Gebäude als solches als auch seine Nutzer keinen Schaden durch unzureichenden Luftaustausch nehmen.

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